Cäcilia, die älteste Schwester von Walter Gürtler erinnert sich

Als ältestes Kind der Familie, geb. 03.02.1928, wuchs ich mit meinen Brüdern Josy (31.10.1929-29.03.1995) und Walter (25.07.1931-30.08.2012) auf dem Rosenberg am Wirtsgartenweg 18 in 4123 Allschwil auf. Mein Vater, Josef Anton Gürtler, wirkte als Gemeindeförster in Allschwil. Er führte regelmässig mit Forststudenten der ETH Zürich Aufforstungen im Allschwilerwald durch. Die beiden Brüder begleiteten ihn oft in den Wald, derweil ich gerne bei meiner Tante Marie auf dem grosselterlichen Bauernhof, dem heutigen Heimatmuseum Allschwil, spielte und um die Tiere herum war. Die Kindererziehung überliess der Vater meiner Mutter, Marie (Marieggeli) Gürtler-Valentin. Nach meiner Ausbildung in Gartenarchitektur in Zürich, heirateten Gottfried Hofmann, Gärtnermeister in Worb und ich am 09.02.1957 ökumenisch in der Kirche Don Bosco in Birsfelden. Als Baselbieterin verliess ich meine Heimat und zog nach Worb in den Kanton Bern. Der Kontakt zur Familie lockerte sich. Wir trafen uns zu Familienanlässen, zu Hochzeiten, runden Geburtstagen und Beerdigungen.

Eine intensive Briefwechsel-Beziehung zu meinem Bruder Walter entstand nach dem Tode meines Ehemannes Gottfried Hofmann (27.09.1930-24.12.2006). Solange ich noch Auto fahren durfte, besuchte ich Walter des Öffteren in der ehemaligen Synagoge Hégenheim. An eine Begegnung im September 2011 erinnere ich mich besonders gerne, da waren Jeanne Schneeberger, Ausstellerin, Alexandre Dubach, Violonist und Hedi Dobler auch bei Walter zu Besuch und wanderten miteinander durch den Judenfriedhof Hégenheim, in welchem Walter während zweier Jahre viele alte Gräber ausgrub und neu setzte.

Ich schätzte meinen Bruder als Bildhauer. Seine Skulpturen bereicherten mein Blumenatelier und die Wohnung. Seit dem Tode meines Bruders, Walter Gürtler, bin ich dankbar, wird dessen Lebenswerk erfasst und ausgestellt. Am 02.11.2013 durfte ich als eines der vier Gründungsmitglieder den "Verein Freundeskreis Walter Gürtler" mit ins Leben rufen. Am 19.11.2015 wurde ich anlässlich der Mitgliederversammlung als erstes Ehrenmitglied des "Verein Freundeskreis Walter Gürtler" ernannt, was mich sehr freute. Ich bekam die Zeichnung gerahmt geschenkt "Der Gartengnom" von 1958. - "Das bin ja ich!" rief ich begeistert aus!

Dem "Verein Freundeskreis Walter Gürtler" wünsche ich alles Gute für die Zukunft.

Cäcilia Hofmann-Gürtler, 3076 Worb, Ende November 2015

 

 

 "Un assuré bien particulier"

Le Sieur Walter Gurtler est devenu propriétaire en 1961 de la synagogue de Hégenheim, bâtiment chargé d'histoire. Ses amis lui ont conseillé de s'assurer auprès de mon agence Abeille à Saint-Louis, moi-mème habitant à Hégenheim. Ce premier contact est le début d'une longue relation. L'artiste Walter Gurtler a signé le contrat et m'a proposé la transaction suivante; troquer la prime d'assurance contre une de ses sculptures.

Incrédule au départ, ne pouvant pas le prendre dans mes frais de bureau, j'ai eu la satisfaction et le plaisir de recevoir les félicitations de certains clients pour "soutien aux artistes". Une de ses oeuvres nous a particulièrement marqué, mon frère et moi, la sculpture des "deux frères" ou "le patron des bons vivants". La relation devenue amicale et confiante, a duré toute une vie.

Raymond et Gérard Gesser, F-68220 Hégenheim, le 25 juillet 2016

 

 

Erinnerungen

Walter Gürtler lernte ich im Herbst 1966 als junge, ledige Primarlehrerin in Allschwil/BL kennen. In der Wohnung des damaligen Schulvorstehers, Herrn Dieter Sprünglin, beeindruckte mich die Skulptur "Fleur au nombril". Die Marmorplastik faszinierte durch eine schlichte, in sich geschlossene Form und perfekte Bildhauerausführung, und ich dachte: "Dieser Künstler ist einer der ganz Grossen!" An der Weihnachtsausstellung 1966 in der Kunsthalle Basel erwarben mein späterer Mann, Rolf Werner Schneeberger (21.03.1942-01.08.1986), und ich unsere erste Skulptur, "Die Tänzerin". Seither sammelte unsere Familie Stein-, Holz- und Bronzeskulpturen, Terrakotten, Reliefs und Bilder.

Walter Gürtlers Werke haben mit ihrer ästhetischen und kraftvollen Ausstrahlung mich, unser Haus und den Garten über die Jahre hindurch geprägt. Die Skulpturen in ihrer thematischen Verschiedenartigkeit bereichern mich, Familienangehörige und Gäste stets aufs Neue. Auf diese Weise lebt unsere 46-jährige Freundschaft mit Walter Gürtler in seinen Bildern und Skulpturen weiter.

Jeanne Schneeberger-Affolter mit David, Lukas, Rahel und Lea, 3432 Lützelflüh-Goldbach, 01.09.2012

 

 

Walter Gürtler, 25.07.1931-30.08.2012

Zur Urnenbeisetzung von Walter Gürtler bei der Monumentalskulptur Paramahansa Yogananda,
70 Rue de Bâle, F-68220 Hegenheim, Samstag, 15. September 2012, 11.00 Uhr.
 

Wenn wir bei diesem feierlich-ernsten Anlass zu Nüssen und Trauben Wasser trinken, ist dies ganz im Sinne von Walthari. Und wenn wir Wasser aus einer besonderen Baselbieter Waldquelle trinken, so hat dies einen bestimmten Grund.

Seit mehr als zwölf Jahren bezog Walthari sein Trinkwasser vornehmlich aus dieser Quelle, seit der Zeit, wo wir ihn kennen gelernt hatten. Unsere Tochter Valerie hatte 1998 als 10-jährige Schülerin, beeindruckt von zwei Skulpturen im Schulhaus, mit dem Künstler Kontakt aufgenommen. Daraus ergab sich in der Folge ein Briefwechsel zwischen den beiden. Waltharis Briefe zeigen eine grosse Selbstreflexion und eine bekenntnishafte Offenheit. So schreibt er ihr am 4. Januar 2000: "Ich bin absolut genötigt, mich gesundheitlich konsequent an meine mir genau bestimmten Richtlinien und Verhaltensformen zu halten, ausgerichtet auf Pflanzenrohkost, Obst, Nüsse und klares Brunnenwasser, alles bioproduziert, und in Verbindung mit Konzentration und Meditation, nachdem ich meine vorherigen Lebensgewohnheiten diametral umstellte. Daher vermeide ich jeden Umgang, durch den ich in Versuchung, und zu Rückfällen, geführt werden könnte."

Seit diesem Jahr kam es dann zu regelmässigen Besuchen Waltharis bei uns im Baselbiet, immer an einem Sonntag. Alle vier bis fünf Wochen holte ich Walthari zum Mittagessen. Meine Ehefrau bereitete ihm ein Mahl, das sich streng an seine Richtlinien hielt, möglichst mit Produkten aus unserem Garten. Mit Walthari kam stets ein guter Geist ins Haus, geprägt von der Weisheit seines Herzens, strahlend auch wie der Blumenstrauss, den er jedes Mal für Ottilia mitbrachte. Am späten Nachmittag fuhr ich jeweils mit Walthari in den nahen Wald zum Brunnen, um seine mitgebrachten Flaschen abzufüllen. Walthari wollte das Wasser unmittelbar aus der Quelle, kein Leitungswasser. Vor allem wollte er rein natürliches: lebendiges Wasser, wie er zu sagen pflegte, kein aufbereitetes und bestrahltes Wasser. Wasser war für ihn das Beste, Ur-Element des Lebens, ein Mysterium auch.

Bei seiner hohen Wertschätzung des Wassers wusste er auch um die kulturgeschichtliche Bedeutung und vielfältige religiöse Verwendung des Wassers und seine mythische Bedeutung. Bereits im biblischen Schöpfungsbericht erscheint das Wasser als Ur-Element: "Gottes Geist schwebte über dem Wasser." In der antiken Welt wurden Quelle, Fluss und Meer religiös verehrt; wo Quellwasser dem menschlichen Gebrauch diente, da wurde es mit Ehrfurcht, im Bewusstsein der Heiligkeit seines Ursprungs, genossen. In der christlichen wird die religiöse Verwendung von Wasser am deutlichsten sichtbar in der Taufe und beim Besprengen des Sarges und der Urne.

"Nahrung ist Bewusstsein", schreibt Walthari im Brief vom 6. Juni 1998 an Valerie und fährt weiter: "Dieses reinigt und erweitert sich, unterstützt durch reine Pflanzennahrung, zur Selbsterkenntnis und zur reinen, geläuterten und von der selbstlosen Liebe getragenen Religion und zum Frieden mit allen Wesen in dieser und in den jenseitigen Welten ... Damit ist nicht die engstirnige, dogmatische Religion des Bekenntnisses gemeint, sondern die Religion der Erkenntnis, der Selbsterkenntnis, dass der Mensch und Gott eins sind, dass Gott in allem anwesend und enthalten ist und die Liebe die erste und einzige Kraft ist, welche uns mit allen Menschen, allen Wesen, der ganzen Schöpfung und mit Gott verbindet und inwendig geheimnisvoll, als ein Mysterium, eins sein lässt."

"Seele des Menschen, wie gleichst Du dem Wasser!", heisst es bei Goethe. Kreislauf und Reinheit sind damit angedeutet. Walthari war eine lautere, eine fromme Seele, eine anima candida, pia.

Werner Meyer, 15.09.2012

 

 

Erinnerungen an Walthari 

Es war im Herbst 2006, als ich die Hégenheimer Synagoge in der Rue d'Alsace entdeckte.

Glücklich darüber, dass eine so große Synagoge noch erhalten geblieben ist, faszinierte mich der Ort. Ich war zu der Zeit für ein Jahr als Deutschlehrerin an mehreren Schulen des Sundgaus tätig, vor allem in Hésingue, wo ich eine Bilingue-Klasse betreute.

Als ich wieder einmal einen Ausflug zur Synagoge machte, kam mir Walthari mit einem Leiterwagen entgegen, der über und über mit Säcken beladen war; es war die Zeit der Nussernte. Ein hell gekleideter Mann, Haar und Bart schlohweiss, den Kopf mit einer Kappe bedeckt. "Ein Heiliger", dachte ich spontan, und ich weiss noch genau, wie aufgeregt ich war. Auf meine Frage nach der Geschichte des Gebäudes, antwortete er mir freundlich und liess mich eintreten. Als ich das Bild von Yogi Yogananda erkannte, lud er mich ein, zur Meditation zu kommen. Dieses grossartige Angebot nahm ich gerne an. Ich fühlte mich als "Neue" in Hésingue noch recht fremd, und die Situation in der Bilingue-Klasse war schwierig für mich. So radelte ich Donnerstags nach Hegenheim zum Meditieren, wurde von der Gruppe sehr freundlich aufgenommen und kehrte stets erquickt und von Walthari reich beschenkt zurück. Er verschloss die Türe des Gebäudes nicht. Im Flur stand eine Kommode mit Blumenschmuck. Es lag Notizpapier bereit, so konnte ein Besucher eine Nachricht geben. Ein Telefon war nicht im Haus. In den Räumen standen überall Vasen mit Blumen oder Zweigen. Ich spürte eine besondere Atmosphäre der Achtsamkeit.

Im Frühjahr 2007 kam ich wieder vorbei. Walthari legte im Hof gerade ein Tomatenbeet an. Ich half ihm gerne dabei, und er erklärte mir, dass er die Pflanzen schräg in den Boden lege, dann würden sie sich umso kraftvoller aufrichten. Ich bewunderte die liebevolle Gestaltung in jeder Ecke des Hofgeländes. Das Gemüsebeet zur Überwinterung von Karotten, die wunderschöne Rabatte mit Iris auf der Strassenseite. Als ich damals zum Abschiedsbesuch kam, weil mein Aufenthalt zu Ende war, liess Walthari es sich nicht nehmen, mich zu Fuss den ganzen Weg nach Hésingue zurück zu begleiten. Einige Male danach kam ich wieder zu Besuch, jetzt auch zusammen mit meinem Mann Klaus, meist im Frühjahr. Einmal ertönte laute Blasmusik aus Waltharis Küche, als wir versuchten, uns Gehör zu verschaffen. Es war eine fröhliche Stimmung. Walthari war gerade dabei, sein Essen vorzubereiten, und lud uns ein, mit ihm zu essen. Klaus liess sich die Zubereitung genau erklären und ist seitdem ein "Zyliss-Raspel"-Fan. 

Der letzte Besuch bei Walthari ist mir in besonders schöner Erinnerung. Es war ein sonniger, warmer Apriltag im Jahr 2012. Walthari arbeitete in seinem Hof und drückte mich so fest zur Begrüssung wie nie zuvor. Wir konnten ihn zu seinem Baumgarten begleiten. Er erklärte uns die Geschichte und Besonderheiten der Bäume. Die Walnuss-Allee am Weg entlang, die er angelegt hatte, seine geliebten Koniferen und Obstbäume aller Art. Da mein Mann und ich dieses Jahr nach Griechenland fahren wollten, meinte Walthari, er würde uns gerne begleiten, aber er habe noch eine Ausstellung in Hégenheim vor, deshalb könne er erst im nächsten Jahr mitkommen. Dann, wenn er einmal 90 Jahre alt sei, wolle er in den en Himalaya aufbrechen und dort den Rest seines Lebens verbringen.

Im Frühjahr 2013 versäumten wir es, Walthari zu besuchen, bevor wir wieder nach Griechenland fuhren. Ich träumte von ihm und nahm dies sofort zum Anlass, ihm zu schreiben. An seinem erstenTodestag, am 30. August 2013, erhielt ich von Jeanne Schneeberger-Affolter, einer Freundin des Künstlers, die Nachricht, dass Walthari genau vor einem Jahr, am 30. August 2012 von uns gegangen war. 

Barbara Vogel-Wulle, D-Freiburg, den 27. März 2014

 

 

Walthari

Mit Herrn Dr. med. Walter Kreis, Arzt und Kunstmaler, war ich in den späten 1970iger Jahren auf einer Vernissage in Basel. Mein Malerkollege, Walter Kreis, stellte mich seinem Bildhauerfreund Walthari Gürtler, F-Hegenheim, vor und machte mich mit ihm bekannt. Walthari interessierte sich für mich und meine Malerei und so kam es, dass wir uns des Öfteren sahen.

Ich lernte unter anderem Waltharis Ausführung des Reliefs nach Entwürfen und Plänen des Künstlers Benedict Remund kennen und bewunderte Waltharis Bildhauerarbeit, welche er während fünf kalter Herbst- und Wintermonate 1961/1962 an der Fassade der Handwerkerbank, Bankenplatz-Elisabethenstrasse in Basel für Benedict Remund behaute: "Die offene Hand", 1962, Lasa-Marmor, H 2.50 m / B 3.00 m.

Als ich eines Tages in meine Muttenz-Wohnung kam, stand vor der Türe eine grosse Korbflasche frischen Wassers und lagen daneben blühende Zweige des Wachsbaumes! Es war ein Zeichen Waltharis, köstliches Wasser zu trinken! Ein andermal kam Walthari auf dem Weg zum Naturheilarzt in St. Gallen bei mir vorbei. Er stellte Kerzen auf, entzündete sie und bat mich, von ihm ein Porträt zu malen. Mit meiner Mutter zusammen verbrachten wir sogar das Weihnachtsfest 1978 in der Synagoge.

Seit ich 1991 von Muttenz weggezogen bin, habe ich Walthari leider nie mehr gesehen. Es bleiben Erinnerungen an den Künstler und der Briefwechsel mit dem Bildhauerfreund.

Gertrud Promitzer-Schildknecht, A-3652 Leiben/Melk, Karfreitag, 03.04.2015

 

 

 

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